Rezension der Ausstellung „Immer in Bewegung“

Galerieinhaber Wolfgang Stromberg (r.) erläutert bei der Vernissage zur Ausstellung „Immer in ...

Galerieinhaber Wolfgang Stromberg (r.) erläutert bei der Vernissage zur Ausstellung „Immer in Bewegung“ den Besuchern die Bilder von Volker Neutard (3. v.r.). Sie werden durch die Skulpturen von Nicole Wessels (2.v.r.) ergänzt. © Zeuner (Schwetzinger Zeitung / Mannheimer Morgen)

Skulpturen und Bilder gehen Symbiose ein

Schwetzinger Zeitung / Hockenheimer Zeitung / Morgenweb, jeils am 30.11.2018

EPPELHEIM. Malerei und Skulpturen in einer Ausstellung, das verspricht
Spannung und optische Verschmelzung. In der aktuellen Präsentation von Nicole
Wessels (Skulpturen) und Volker Neutard (Malerei), beide aus Eppelheim, erlebt
der Besucher im „Orangefarbenen Haus“ in der Humboldtstraße 9, diese
Symbiose im künstlerischen Ausdruck.
Die Keramikmeisterin Nicole Wessels ist bekannt für geradlinige
Gebrauchskeramik und dynamische Skulpturen, die Emotionen transportieren
und zum Nachdenken anregen. Reduziert auf das Wesentliche sind ihre neusten
Schaffungen – die Schwimmer – zu sehen. In einem Experiment aus Ton,
Porzellandetails und blau getöntem Fensterglas sind Objekte voller Leben
entstanden. Scheinbar schwerelos ziehen die Figuren ihre Arme und Beine durchs
gläserne „Wasser“, das dank des festgehaltenen Momentes keinerlei
Wellenbewegung zeigt.
Platziert sind die Schwimmenden teils im Gesamteindruck zu den Bildern von
Volker Neutard, der im letzten Jahr neue Wege seines künstlerischen Ausdrucks
für sich entdeckt hat. „In der neuen Bilderreihe habe ich nichts dem Zufall
überlassen“, erklärt der Künstler, dessen vorheriger Ausdruck in leuchtenden
Farben und der Schütttechnik Exponate mit interpretativer Eindrücklichkeit
hervorbrachte.
Nicht minder beeindruckend und mit Spielraum für eigene Gedanken, doch in
deutlich ruhigeren Farbvariation zeigen sich „Bilder mit Horizont“, wie Neutard
selbst beschreibt. Wellen könnten es sein, aber auch feine vom Wind geschaffene
Schwünge im Sand – in der individuellen Vorstellung tauchen die Schwimmer von
Nicole Wessels vielleicht in die schaumbekrönten Linien sich dauerhaft
bewegenden Wassers in Leutards Bildern. Diese Art der Verbindung zwischen den
bewegt-unbeweglichen Skulpturen, die bewegen und den ruhigen Bildern, die
dem Auge eine entspannte Verweildauer schenken, macht die Ausstellung zum
Erlebnisraum.

Tänzer ohne Kopf

Genaues Hinschauen rentiert sich: Die Dynamik der Körper, die sich im Tanz
ausdrücken, sich nicht verkopfen, sondern vom „Steuerzentrum“ loslösen, rein
Körper in Bewegung sind, hat Wessels in den kopflosen Figuren „Die Tänzer“,
eine männlich, eine weiblich, umgesetzt. „Du musst dich reduzieren“, sprach
Wessels bei der Vernissage vom Tipp Leutards vor der Gestaltung der neuen
Skulpturen: „Dass ich dafür Köpfe weglasse, hat er wohl nicht erwartet“, erklärte
sie schmunzelnd.
Auch die aus einer ganz speziellen Tonmischung hergestellten Engel ziehen die
Blicke der Gäste an. Wer es dagegen lieber gebräuchlich mag, findet etwas im
reichen Fundus formschönen Alltagsgeschirrs der Reihe „KIT“ (steht für: Kunst In
Ton) oder erfreut sich an den „Frauentassen“, die sich schmeichelnd in die Hände
schmiegen lassen. Zudem gibt es geradlinige „Männertassen“, Etageren und
Backformen.
Ein Besuch im Atelier lohnt sich auf jeden Fall. zesa
© Schwetzinger Zeitung, Freitag, 30.11.2018

 

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