Kokons 2000 + 2008 – Gedanken zum Werk I

Installation von 8 Kokons und einem Seidenspinner, auf der Scheibe gedrehte, im lederharten Zustand strukturierte Keramik, Stahldraht, Größe je nach Installation variabel ca. 250 x 250 cm, 2000 + 2008
Aus den Kokons dringt Musik (MP3-Player, Miniaturlautsprecher)

Ausstellung Schloß Neckarhausen (bei Mannheim)

Eine Konservierung der seltsamen Art nimmt der Mensch zur Gewinnung eines der edelsten Materialien schon seit bald 5.000 Jahren vor: Kleine Tiere sterben zu Millionen für Schönheit, Prestige, Eleganz und Wohlgefühl.Seidenraupen spinnen, nachdem sie herangewachsen sind und sich viermal gehäutet haben, aus einem einzigen, bis zu 900m langen Seidenfaden einen Kokon, in dem sie ihre Entwicklung zum Schmetterling vollenden. Um ihren schützenden Raum zu verlassen lösen sie den Kokon an einer Stelle wieder auf, der Proteinfaden verfärbt sich braun. Um aber das reine Garn zu gewinnen, werden die Puppen nach Fertigstellung des Kokons mit kochendem Wasser oder heißem Dampf getötet.

Übrig bleibt der Kokon, noch hart und gedacht als Schutzhülle, die doch den Tod bedeutet. Und nach dem abhaspeln und einigen Schritten entsteht ein Kleid, ein Gewand, das doch nur selten schützende Wirkung entfaltet, zumeist nur als Staffage und Dekoration dient.

Nicole Wessels erinnert mit ihrer Installation an die andere Seite der Konservierung: abtöten, fixieren durch zerstören eines Kunstwerkes. Der unscheinbare Maulbeerfalter entfaltet in der Installation ein dauerhaft fixiertes Leben – in einem anderen Material, einer anderen Größe, an einem anderen Ort.Es drängen sich einige Assoziationen auf: Wenn einem kleinen Menschen der schützende Kokon entrissen wird, er geschlagen, misshandelt oder gedemütigt wird – wie soll er jemals selbst aus seinem Kokon schlüpfen und seine Flügel ausbreiten?

Hat nicht auch ein unscheinbarer Schmetterling das Recht zu fliegen? Würde der Mensch genauso grob mit der Kreatur umgehen, wenn der Falter so schön wie sein Abfall, seine Seide wäre?Schon der Religionsstifter Siddharta Gautama (genannt Buddha) lehnte die Seidenraupenzucht ab. Das wiederum inspirierte die Band Human League Ende der 70er Jahre zu dem folgenden legendären Song:

Being Boiled                                                           hier ein Link zu youtube

Ok, ready. let’s do it

Listen to the voice of Buddha
Saying stop your sericulture
Little people like your offspring
Boiled alive for some God’s stocking

Buddha’s watching, Buddha’s waiting

Just because the kid’s an orphan
is no excuse for thoughtless slaying
Children, don’t forget this torture
just because you call her mother
Doesn’t mean that she’s your better

Once more with the voice of Buddha

He’ll say carry on your slaughter
Who cares for the little children?
You may slice with no conviction
Blind revenge on a blameless victimListen to the voice of Buddha

Saying stop your sericulture
Who cares for the little children?
You may slice with no conviction
Blind revenge on a blameless victim

Listen to the voice of Buddha
Listen to the voice of Buddh
Listen to the voice of Buddha

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.