Kokons 2008 – Gedanken II

Mein Atelier liegt in Eppelheim bei Heidelberg, auf dem historischen Weg zwischen den Schlössern Heidelberg und Schwetzingen.

Als das Schwetzinger Schloss durch den Kurfürst Carl-Theodor ausgebaut wurde, wollte er die Achse zwischen dem Berg Königsstuhl am Ostrand der Tiefebene (Bergstrasse) und dem Berg Kalmit (Weinstrasse) im Westen markieren. Der Königsstuhl ist mit seinen 656 Höhenmetern die höchste Erhebung des südlichen Odenwalds oberhalb Heidelberg. Die Kalmit (673 m) ist die höchste Erhebung des Pfälzer Waldes. Der Berg liegt oberhalb von Maikammer im Kreis Neustadt an der Weinstraße.

Dementsprechend wurde die Schwetzinger Schlossachse und die seines Barockgartens bereits unter Carl Philipp im frühen 18. Jahrhunderts ausgerichtet und beim Bau einer Verbindungsallee zur alten Residenz in Heidelberg 1734 auch fortgeführt. Schwetzingen war damals das Ausweichquartier des Hofs vor der Fertigstellung der neuen Residenz in Mannheim.

Quasi als Schnellstrasse liess Carl-Theodor 1734 eine fast schnurgerade, 10km lange Maulbeerbaum-Allee errichten, deren Trasse einige Meter von meinem Atelier entlang läuft.   Foto

Maulbeerbäume hatten einen praktischen Nutzen. Sie dienten der Seidenraupen-Zucht. Ziel war der Aufbau einer Seidenproduktion, der sich aber langfristig nicht rechnete.

1872 wurde genau auf dieser Achse die inzwischen wieder verschwundene Eisenbahntrasse Heidelberg-Eppelheim-Plankstadt-Schwetzingen-Speyer (Schiffsbrücke/Rheinbahnhof) errichtet. Diese wurde 1967 abgebaut, weil es keinen Wiederaufbau der von den Deutschen gesprengten Eisenbahnbrücke Speyer gab (1938 – 1945).
Und heute wohnen im verwilderten Teil bei Eppelheim u.a. Nachtigallen.

Übrigens erzählte mir ein Besucher kützlich, dass sein Vater noch bis in die 1930er Jahre versuchte Seidenraupen in den Maulbeerbäumen längs des Neckars zu züchten. Größere Bestände an Maulbeerbäumen gibt es auch auf der Maulbeerinsel, die 1920 durch Kanalisierung des Neckars bei Mannheim-Feudenheim entstand.

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