Anuradhapura 20. – 24.02.2015

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Reisetag Kalpitiya – Anuradhapura, Freitag, 20.02.2015

Inzwischen sind wir schon so heimisch, dass weder Packen und Abreise, das Organisieren eines Tuktuk (das wie immer überpünktlich erscheint), Suchen und Warten auf den/die richtigen Busse ein Abenteuer sind. Schön, dass die Kinder (und der Papa) darin trotz Geschuckel und Musik etwas schlafen können, die Bushaltestelle in Puttalam noch am gleich Platz und „the new busstation“ in Anuradhapura weiterhin ein großer Staubplatz ist…

Welch ein Wiedersehen mit Upali und seinen Kindern! Als wäre keine Zeit vergangen springt Anouk im in die Arme – und Elia hinterher. Er fremdelt gar nicht, was uns am meisten überrascht! Es ist wie zuhause ankommen!

Etwas entgeistert schauen wir den riesigen See namens Kumbichchan Kulama hinter Upalis Haus an, wo sich bis vor einem Jahr ein Naturparadies erstreckte: Die Stadt hat den „tank“, wie die künstlichen, vor bis zu 4000 Jahren angelegten Seen (tamil: Kulama, sinhala: Wewa) genannt werden, vertieft. (Während ich das schreibe landet ein Pelikan 15 Meter vor mir und fischt.) Drum herum soll ein beleuchteter Spazier- und Joggingpfad angelegt werden, aber die Reparaturarbeiten nach den Unwettern von November und Dezember 2014 gehen vor. (Jetzt lassen unser Freund Upali und die Kinder ein Boot zu Wasser und paddeln los.) Ich beende das Schreiben und suche mal meine Badehose…

Samstag, 21.02.2015

Wir lassen die Kinder mit Upali und seiner Familie allein und spazieren zum people‘s market auf der anderen Seite des neuen Sees – und das waren schon die Ereignisse des Tages. Was die Kinder mit Upali erlebt haben wissen wir nicht so ganz genau: Motorradfahren, Eisessen, mit dem Hund schwimmen…

Sonntag, 22.02.2015

Als die ach so erfahrenen Sri Lanka-Reisenden führen wir eine nette internationale Truppe aus Upalis guesthouse nach Mihintale. Die Legende erzählt, dass hier der Ursprung des Buddhismus in Sri Lanka sei: Der indische König Aschoka weitete sein Reich massiv aus, war von den Folgen seines letzten Krieges mit 100.000 Toten jedoch schockiert. Er traf einen sehr kleinen buddhistischen Mönch und war von der Friedfertigkeit der buddhistischen Lehre begeistert: Aschoka ging als großer Wohltäter in die Geschichte ein. Seine Tochter und sein Sohn Mahinda wurden buddhistisch erzogen.

Mahinda wurde als Mönch in Indien ordiniert und vom 2. buddhistischen Konzil 253 v. Chr. mit einigen Gefolgsleuten nach Sri Lanka gesandet. In der Nähe der Königsstadt Anuradhapura ließ er sich unterhalb einer bemerkenswerten Felsformation nieder. Als König Devanampiya Tissa gerade ein Reh erlegen wollte (denen wir bei der Anfahrt auf den Berg auch begegnet sind) trat ihm ein Mönch entgegen und fing an mit ihm zu diskutieren. Mal abgesehen davon, dass Mahinda den König mit Vornamen ansprach wurde dieser auch noch mit dem ersten überlieferten Intelligenztest der Geschichte konfrontiert!

Der König „Tissa“ (Sri Lanker lieben Abkürzungen) ließ sich von Mahinda bekehren und wurde zum großen Förderer des Buddhismus.

Heute verehren die Gläubigen das von britischen Kolonialbeamten ausgegrabene Gelände mit einer Reihe von Stupas, weil man in einer ein Haar von Buddha vermutet.

Unser Ausflug hat ein paar Schwierigkeiten: Wolfgang vergisst seinen Fotorucksack im Tuktuk und dessen Fahrer – ein ehemaliger, von seinem Abt betrogener Mönch – muss erst mal wieder aufgetrieben werden. Das zweite Tuktuk steht bei der Rückfahrt nicht bereit und wir verpassen (solidarisch alle zusammen) den Bus. Der nächste kommt gut eine Stunde später und ist so extrem voll, dass alle Fahrgäste ihre Rucksäcke ausziehen müssen, damit an jeder Haltestelle noch ein paar Leute reinpassen. Umfallen geht zum Glück nicht!

Montag, 23.02.2015 Wilpathu National Park

 

Dienstag, 24.02.2015

Die Geschichte von Mahinda und König Tissa findet in der Königsstadt eine Fortsetzung:
Die Mönche schlagen um 250 vor Christus eine Buddha-Statue aus dem gewachsenen Granitfelsen, die wir uns mit dem ebenfalls ausgegrabenen und wieder aktiven Kloster anschauen. Der Isurumuniya Tempel besticht wieder einmal durch eine extrem gekonnte Nutzung der natürlichen Gegebenheiten: Felsblöcke wie Kieselsteine aneinander gelehnt, in den Felsen geschlagene Stufen auf sehr meditative Aussichtspunkte und wie immer ein Ableger des Boddhi-Baumes und ein großes Bad, besser Schwimmbad. Zur Wasserversorgung wurde kurz nach der Klostergründung ein Stausee angelegt – Tissa Wewa ist bis heute genutzt und wesentlicher Teil der Wasserversorgung der Stadt.

Dieser Ort war in Vergessenheit geraten, nicht aber der wenige hundert Meter entfernte Boddhi-Tree. Dieser Ableger des Baumes, unter dem Gautama Buddha die Erleuchtung erreichte, gilt als der älteste kultivierte Baum der Erde. Begleitet von Anni, einem singhalesischen Buben aus Upalis Haushalt wollen wir den historischen Weg vom Kloster zum Baum nehmen. Auf dem Weg kommen wir an einer riesigen Baustelle vorbei: Die Armee errichtet eine 230m hohe Dagoba anlässlich des Kriegsendes – was heute mit LKWs und Baggern bewegt wird wurde (wenige Meter größer) um 280 n. Chr. von Hand in Ziegelbauweise errichtet!

Hinter uns braut sich ein Unwetter zusammen, dass sich urpötzlich gewaltig entlädt – in Minuten stehen nicht nur die Straßen unter Wasser. Wolfgang rettet sich mit einigen Kindermönchen unter einen Baum, an dem er etwas hochklettert um den Fotorucksack halbwegs trocken zu halten. Nicole und die drei Kinder waren weiter voraus und suchten den besten Baum, zum Unterstellen. Sie testen diverse und rennen durch die Gegend – die Landschaft ist eine einzige Pfütze und das Spiel „Bäumchen wechsel‘ Dich!“ begeistert sie. Dank Handys telefonieren wir von Baum zu Baum, der Regen ist zu dicht und zu laut um einander zu sehen oder zu sprechen.

Ein Tuktuk-Fahrer entdeckt Wolfgang unter seinem Baum und bietet „Hilfe“ an – bis wir Nicole und die drei Kinder gefunden haben ist das Unwetter dann auch vorbei…

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Sprung nach Kachchativu

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